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Kathrin Standar
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Kinder FAIRstehen- Ein Kurs für Eltern
Gefördert durch: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Jugendamt der Stadt Leipzig

Kinder FAIRstehen- Ein Kurs für Eltern
Gefördert durch: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Jugendamt der Stadt Leipzig (download als .pdf)

Einleitung


Erziehung ist nicht „kinderleicht“ - diese Erfahrung teilen nicht nur Eltern sondern auch Mitarbeiter des FAIRbund e.V. Leipzig, einem freien Träger der Jugendhilfe.
Das Zusammenleben mit Kindern stellt Eltern vor komplexe Herausforderungen, die ihnen vielfältige Kompetenzen abverlangen. In der täglichen Arbeit mit den Familien erleben wir, dass Eltern häufig die Orientierung dafür abhanden gekommen zu sein scheint, was ihre Kinder benötigen,
um gut groß zu werden und worauf es im Wesentlichen bei der Erziehung ankommt. Dabei wollen die Eltern in der Regel nur das Beste für ihre Kinder und deren Zukunft.


Die folgenden Aspekte lassen sich als Bedingungen zusammenfassen, mit denen sich Eltern gegenwärtig auseinander setzen müssen:
gesellschaftliche Strukturveränderung,
Wertepluralismus,
Individualisierung,
Enttraditionalisierung,
fehlende Vorbilder,
Entscheidungszwang,
Mobilität und Flexibilität,
Schnelllebigkeit,
Leistungsdruck in Schule und Beruf,
Einfluss der Werbung,
hohe Anforderung an Familie,
Erziehungsdruck und Entmutigung.

Daraus ergeben sich zwangsläufig Konsequenzen für die Planung und Durchführung von Familienbildungsangeboten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind etwa 80 Familienbildungsprogramme auf dem Markt, die sich an verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Lebenslagen richten.

Der Zugehörigkeit zu einem sozialen Milieu kommt eine Schlüsselfunktion in Bezug auf die Weiterbildungsmotivation zu. Die repräsentative Studie „Weiterbildung und soziale Milieus in Deutschland“ (Barz/ Tippelt 2004a und 2004b) bestätigt, dass die von den Eltern einst als Schüler gesammelten Erfahrungen starke und bleibende Eindrücke hinterlassen, die bedeutsam für die spätere Haltung gegenüber Bildung und Lernen sind.
Familienbildung kann nur mit den Erziehenden stattfinden, ihre Interessen und jeweiligen Lebens-und Lernkontexte sind deshalb relevant. Für den Elternkurs bedeutet dies, Reflexion und Austausch mit Wissensaneignung zu verbinden.

1. Entstehungsgeschichte des Elternkurses „Kinder FAIRstehen“

Der Verein FAIRbund e. V. wurde vor 15 Jahren in Leipzig als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe gegründet und hat in der Leipziger Jugendhilfelandschaft einen festen Platz eingenommen. Neben stationären und ambulanten Hilfen zur Erziehung nach §§ 27ff. SGB VIII, der teilstationären Betreuung von Kindern in einer Tagesgruppe wurden vier Kindertagesstätten durch den Verein in freie Trägerschaft übernommen. Als erster freier Träger in Sachsen führt der Verein seit 2003 Vormundschaften und Pflegschaften. Die Familienbildung ist dagegen ein vergleichsweise junger Bereich, der 2005 etabliert wurde. Parallel zu dem Modellprojekt des Landesjugendamtes Sachsen „Familienbildung in Kooperation mit Kindertagesstätten“ wuchs die Idee, ein Elternkursangebot zu entwickeln. Der Hintergrund für diese Entwicklung liegt in der langjährigen Erfahrung des Vereins im Bereich Hilfen zur Erziehung. Die Arbeit in den Familien als Familienhelfer, Erziehungsbeistand oder als Familientherapeut verdeutlicht immer wieder den Bedarf nach einem zielgruppenspezifischen Angebot der Familienbildung. Die Idee, einen Elternkurs für sozial benachteiligte Eltern zu schaffen, war geboren. Das Familienbildungsprojekt mit seinem Elternkurs „Kinder FAIRstehen“ ist vorrangig im Sozialraum des Leipziger Ostens angesiedelt. Dieser Sozialraum ist gekennzeichnet vor allem durch hohe Arbeitslosigkeit und einen hohen Anteil von Bewohnern, die auf SGB II-Leistungen angewiesen sind. Darüber hinaus weist dieser Ortsteil eine teils problematische Bildungssituation und eine sehr gering ausgeprägte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Stadt auf.
Der Elternkurs „Kinder FAIRstehen“ in seiner heutigen Form ist das Ergebnis der gesammelten Erfahrungen aus nunmehr fünf Jahren. Mit steigender Nachfrage und zunehmenden Erfahrungen der Kursleiter wurde das inhaltliche und methodische Vorgehen weiterentwickelt.

2. Theoretischer Hintergrund

Der Ausgangspunkt der Überlegungen zur Gestaltung des Kursangebotes liegt in der Arbeit im Bereich der „Hilfen zur Erziehung“ und einer damit eng verbundenen systemischen Sichtweise. Der Mensch wird im Kontext seiner Beziehungen
und als Teil eines Systems gesehen. Störungen eines Einzelnen, des „Symptomträgers“
sind Ausdruck innerfamilärer Beziehungsmuster. So verhalten sich Kinder nicht von sich aus auffällig, sondern unter bestimmten Bedingungen und in bestimmten Beziehungen. Eine lösungs- und ressourcenorientierte Herangehensweise, die an bereits vorhandenen Fähigkeiten einer
Familie anknüpft, trägt dazu bei, realistische Ziele zu verfolgen und Veränderungen zu erreichen. Einen wesentlichen Aspekt bildet in diesem Zusammenhang die Kommunikation, die die Grundlage von Kooperation und Interaktion darstellt. Der Förderung der Kommunikationskompetenz von Eltern wird daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
In die Gestaltung der Inhalte der Elternkurse fließen ebenfalls Erkenntnisse der Entwicklungs- und Pädagogischen Psychologie ein. Kinder werden als Lernende angesehen, die, unterstützt durch ihre Eltern, ihre eigene Welt konstruieren. Die individuellen Voraussetzungen, die jedes Kind besitzt, müssen dabei Berücksichtigung finden. Ebenso wird die Bedeutung einer positiven Bindungsbeziehung von emotionaler Zuwendung und Sicherheit, von angemessener Stimulation und Förderung für eine gelingende Kindheit kontinuierlich durch die Kursleiter vermittelt.
Der Elternkurs knüpft an einem Grundverständnis von Erziehung an, das auf dem Recht des Kindes auf Achtung und dem Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung basiert.

3. Gesetzliche Grundlagen

Die Unterstützung von Eltern bzw. die Stärkung familialer Kompetenzen bilden eine Querschnittsaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe. Der §16 SGB VIII benennt explizite Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie. Er verfolgt das Ziel, Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte zu befähigen, ihre Erziehungsverantwortung besser
wahrnehmen zu können. Darüber hinaus benennt er die Förderung der gewaltfreien Erziehung in der Familie. Er richtet sich entsprechend der Bedürfnis- und Bedarfslagen an Adressaten aller sozialen Schichten. Leistungen der allgemeinen Förderung sind:
Angebote der Familienbildung,
Angebote der Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen,
Angebote der Familienfreizeit und Familienerholung.

Das „Konzept der Sächsischen Staatsregierung zur Familienbildung“ vom 07.05.2007 benennt u.a. das Ziel, möglichst viele Eltern mit auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnittenen Angeboten zu erreichen. Neben den bereits vorhandenen Familienbildungsangeboten für bildungsinteressierte und bildungsgewohnte Eltern wird hier auf die Notwendigkeit von Angeboten für die bisher wenig erreichten Zielgruppen verwiesen. Letztere beinhalten „bildungsferne“Eltern, Familien in sozial benachteiligten Lebenslagen und Väter.

4. Beschreibung der Zielgruppe

Eltern in problembelasteten Lebenslagen nehmen klassische Familienbildungsangebote deutlich seltener wahr als Angehörige der „Mittelschicht“. (Haug- Schnabel, Bensel 2003 in Mengel 2007) Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zielgruppenspezifischer Angebote, die sich an der Lebenswelt der Adressaten orientieren. Neben Prävention und Bedarfsgerechtigkeit gilt Niedrigschwelligkeit als zentrales Konzept der Familienbildung.
Im Ergebnis einer Elternbefragung zur Familienbildung (Smolka 2002) hat sich deutlich gezeigt, dass für viele Eltern die Vorstellung, sich mit Erziehungsfragen und -problemen an Personen außerhalb des eigenen sozialen Umfeldes zu wenden, unangenehm und häufig mit Gefühlen der Scham und Angst verbunden ist. Eltern, die wenig Vertrauen in ihre elterlichen Kompetenzen haben, scheuen sich oftmals, vorhandene oder befürchtete Schwierigkeiten öffentlich zu machen. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, niederschwellige und insbesondere nicht-diskriminierende Zugänge zu familienbildenden Angeboten zu schaffen.
In der Literatur werden zur Beschreibung der im Elternkurs angestrebten Zielgruppe
häufig die Begriffe „bildungsfern“, „bildungsdistanziert“ oder „bildungsungewohnt“ verwendet. Es erscheint sinnvoll, Bildungs- und Berufsabschlüsse als eine Dimension von sozialer Benachteiligung in Betracht zu ziehen. Benachteiligte Lebenslagen lassen sich anhand verschiedener Dimensionen beschreiben.
Die angestrebte Zielgruppe kann wie folgt charakterisiert werden:
Der überwiegende Teil der Eltern ist auf staatliche Transferleistungen angewiesen.
und nicht selten besteht eine Schuldenproblematik. Durch die Transferleistungen bestehen nur begrenzte Möglichkeiten bezüglich der Wohnungsgröße, der Wohngegend und der Ausstattung.
Schul- und Berufsbiografien sind häufig u.a. durch frühzeitige Schwangerschaften unterbrochen.
Die Beziehung zur Herkunftsfamilie ist häufig gestört. Oft bestehen bereits Jugendhilfeerfahrungen in Herkunftsfamilie. Damit verbunden sind Beziehungsabbrüche und der vielfach selten vorhandene verfügbare soziale Netze (Risikofaktor Isolation). Dies erschwert den Austausch mit anderen.
Im Alltag schlägt sich „Überforderung durch Unterforderung“ häufig in einem wenig strukturiertem und entsprechend verschobenem Tagesablauf nieder, der beispielsweise das Einhalten von Terminen erschwert.
Unter den Eltern befinden sich vielfach allein erziehende Mütter bzw. leben in Partnerschaft mit einem Stiefelternteil.
Die Eltern erleben sich häufig als inkompetent und hilflos und mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit vorhandenen Partnern scheint es in Bezug auf die Erziehung der Kinder häufig Unstimmigkeiten zu geben.
Die Paar- und Kinderebene ist häufig nicht deutlich voneinander getrennt und die Rolle als Mutter / Vater wird unterschätzt.
Bei den Eltern erleben wir überwiegend ein gering ausgeprägtes Gefühl von Selbstwert und Selbstwirksamkeit. Häufig ist die Hoffnung auf einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gering.
All die beschriebenen Aspekte in ihrer Gesamtheit zeigen, dass die benannte Zielgruppe nicht mit herkömmlichen Mitteln wie Flyern, Plakaten und Internetauftritten zu erreichen ist. Hier bedarf es eines höheren Aufwandes und einer persönlichen Ansprache, um die Eltern für die Teilnahme an einem Angebot zu gewinnen.

Der Elternkurs ist ein kostenfreies Angebot für die Eltern. Eine ebenfalls kostenfreie Kinderbetreuung ermöglicht allen Eltern die Teilnahme, deren Kinder nicht anderweitig betreut werden können.
Der Elternkurs richtet sich derzeit vorrangig an Eltern mit Kindern im Vor- und Grundschulalter.
Der Elternkurs findet in dem geschützten Rahmen einer relativ homogenen Kleingruppe statt.
Der Elternkurs orientiert sich an den Lebenslagen und dem Bildungsniveau der Teilnehmer. Die Inhalte werden alltagsnah vermittelt.
Im Elternkurs ist der Blick stets auf die Ressourcen der Familien gerichtet.
Der Elternkurs ist im Sozialraum der Familien angesiedelt.

5. Ziele

An erster Stelle steht die präventive Förderung von Basiskompetenzen, die für das Zusammenleben in der Familie und im Kontakt mit dem sozialen Umfeld von Bedeutung sind. Dazu zählen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, die Verfügbarkeit von wirksamen Strategien zur Problembewältigung und Konfliktlösung sowie die Bereitschaft, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.
Der Elternkurs „Kinder FAIRstehen“ trägt dazu bei, die Erziehungskompetenz von Eltern zu stärken um nachhaltige Veränderungen im erzieherischen Handeln zu ermöglichen. Das Angebot richtet sich an eine Zielgruppe, die Bildung eher als „Erfahrung von Ausschluss und Benachteiligung“ denn als Persönlichkeitsreichtum definiert.
Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung zu den Eltern
„Alltagstaugliche“ Vermittlung theoretischer Inhalte
Ressourcenorientierung
Stärkung der Elternrolle
Anregung der Selbstreflexion
Förderung des Kontaktaufbaus zu anderen Eltern
Vermittlung einer respektvollen Grundhaltung und Wertschätzung im Umgang miteinander.

6. Anforderungen an die Kursleiter

Für die Arbeit mit der benannten Zielgruppe sollen qualifizierte Fachkräfte eingesetzt werden, die über einen entsprechenden Abschluss (Fachhochschule, Universität) der Fachrichtung Sozialpädagogik / Erziehungswissenschaften / Pädagogik oder Psychologie verfügen. Zudem sind Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung (insbesondere
der Gruppen- bzw. Elternarbeit) von Vorteil. Werden Eltern der genannten Zielgruppe bereits Hilfen zur Erziehung gewährt, ist es für eine konstruktive Arbeit im Kurs aus unserer Sicht unerlässlich, dass mindestens einer der Kursleiter über Erfahrungen im Bereich der „Hilfen zur Erziehung“ verfügt. Die Fähigkeit, sich für die Teilnehmer verständlich auszudrücken, stellt eine weitere wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit mit den Eltern dar. „Fachjargon“ ist fehl am Platz.

7. Rolle / Haltung der Kursleiter und Begegnung mit Teilnehmern

Neben der beruflichen Qualifikation ist die grundsätzliche Bereitschaft, mit dieser Zielgruppe zu arbeiten, Voraussetzung für die Arbeit als Kursleiter. Daneben ist die Fähigkeit gefordert, in einem Zweier-Team zu agieren. Es ist von Vorteil, seinen Kursleiter-Partner im Hinblick auf seine Arbeitsweise zu kennen. Die Kursleiter besitzen während der Durchführung des Kurses eine Modellfunktion für den partnerschaftlichen Umgang miteinander. Die Haltung der Kursleiter ist geprägt von einem dialogischen Verständnis. Das schließt den Respekt vor der Lebensgeschichte der Teilnehmer und ein wertschätzendes Begegnen dieser ein. Ziel ist es, die Eltern zu bestärken, selbstwirksame und eigenverantwortliche Gestalter ihres Lebens zu sein. Gleichzeitig ist es nötig, immer wieder ein grundlegendes Verständnis dafür zu äußern, dass Veränderungen Zeit brauchen, um die Teilnehmer vor zu hohen Erwartungen und daraus folgenden Enttäuschungen zu schützen.
Dabei sind die folgenden entwicklungsfördernden Aspekte von zentraler Bedeutung:
die Erziehung wird als dialogische Begegnung des Umgangs miteinander verstanden, der Erziehungsstil ist demokratisch, sozial-integrativ, autoritativ. Das Kind wird als Subjekt wahrgenommen, die Elternrolle wird bejaht und elterliche Erziehungspräsenz gezeigt.

Diese wurden in den „Fünf Säulen der Erziehung“ zusammengefasst ( siehe Tschöpe-Scheffler 2003b)
Emotionale Wärme,
Achtung,
Kooperation,
Verbindlichkeit,
Allseitige Förderung.
In der inhaltlichen Gestaltung des Kursangebotes sowie bei der Gestaltung der Rahmen-bedingungen finden sich diese wieder:
in der Herstellung einer wohlwollenden und freundlichen Atmosphäre,
in einer respektvollen, anerkennenden und wertschätzenden Haltung den Eltern gegenüber,
in einer Haltung, die Eltern ermutigt und ihre Verantwortung fordert,
in der Schaffung von Verbindlichkeit u.a. durch Gruppenregeln,
in dem Ermöglichen von Erfahrungen, Fragen und neuen Ideen.
Alltagskonzepte lassen sich durch neue Erfahrungen, durch Neu- oder Umlernen
oder durch Orientierung an Vorbildern verändern. Für erfolgreiche Änderungsprozesse gibt es zwei notwendige Voraussetzungen:
ein Problembewusstsein und die Hoffnung, dass es durch eigene Anstrengung und Selbstveränderung behoben werden könnte, eine Motivation zur Veränderung, d.h. die Bereitschaft, eigene Alltagstheorien und Verhaltensweisen in Frage zu stellen, zu überprüfen und korrigieren zu wollen, auch wenn dies manchmal anstrengend und schmerzvoll ist. Diese Voraussetzungen sind nicht gegeben, wenn Eltern zu einer Teilnahme durch Dritte an einem Kursangebot verpflichtet werden. Hier gilt es, zunächst die Hoffnung auf Veränderung
und die Motivation zur Änderung zu wecken.

8. Kursinhalte und eingesetzte Methoden

In insgesamt 12 Kurseinheiten werden verschieden Themen bearbeitet, die eine große Bedeutung für das Zusammenleben mit Kindern besitzen. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse von Kindern, auf denen weitere Themen inhaltlich aufgebaut und gemeinsam mit den Eltern erarbeitet werden. Eine Kurseinheit umfasst 2 bis 2,5 Stunden.
Die Eltern erhalten eine Teilnahmebestätigung über die besuchten Kurseinheiten.
Dies geschieht auf verschiedene Art und Weise, die Eltern aktiv in die Kursgestaltung einbezieht, z.B. durch Kleingruppenarbeit, Rollenspiele und Beobachtungsaufgaben.

9. Kursablauf

Nach Bekanntgabe aktueller Kurstermine können im telefonischen Erstkontakt mit den Eltern Informationen über Inhalte und Ablauf des Kurses vermittelt werden. Diese erste Kontaktaufnahme baut Hürden oder Befürchtungen ab. Zusätzlich werden alle Eltern dazu eingeladen, die Möglichkeit eines persönlichen Vorgesprächs zu nutzen.
Es hat sich bewährt, Institutionen über laufende Elternkurse zu informieren, die verstärkt mit der angestrebten Zielgruppe arbeiten. Es handelt sich hier sowohl um Eltern, die schon im Kontakt mit dem ASD durch Beratung stehen als auch um Eltern, die bereits Hilfen nach §§ 27 ff. SGB VIII erhalten. Die Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern in einer Kursgruppe wird häufig als Bereicherung und Ergänzung zu einem bereits bestehenden Hilfeangebot angesehen. Ein geringer Teil von Eltern hat in der Vergangenheit durch private Kontakte zu Kursteilnehmern zum Angebot gefunden.
Es liegen bereits Erfahrungen mit „ unfreiwilligen“ Teilnehmern vor, die zu einer Teilnahme verpflichtet wurden. Diese wurde beispielsweise im Rahmen eines Kontrollvertrages fest geschrieben.

9.1 Räumlichkeiten und Ausstattung

Zur Durchführung der Elternkurse stehen zwei Beratungsräume zur Verfügung.
Diese sind mit Tischen und Stühlen sowie einem Flipchart und dem dazu gehörigen Moderationsmaterial ausgestattet. Ein weiteres Zimmer wird für die Kinderbetreuung genutzt, in dem Spielzeug, Kinderbücher und Bastelmaterial vorhanden sind.

9.2 Gruppengröße

Der Elternkurs wird in einer Gruppe bestehend aus 6 - 10 Teilnehmern durchgeführt. Die Arbeit mit einer kleinen Gruppe hat sich als notwendig erwiesen, um zu allen Eltern einen Kontakt aufbauen zu können und diese aktiv am Kurs zu beteiligen.

9.3 Kinderbetreuung

Um allen Eltern eine Teilnahme zu ermöglichen, ist eine kostenfreie Kinderbetreuung Bestandteil unseres Angebots.

10. Grenzen des Kursangebotes

Mit dem Elternkurs als präventives Gruppenangebot werden in erster Linie Eltern angesprochen, die im Umgang und Zusammenleben mit ihren Kindern Anzeichen von Verunsicherung und Überforderung signalisieren. Darüber hinaus eignet sich der Kurs ebenso gut als Ergänzung zu bereits bestehenden Hilfen zur Erziehung. Der Kurs allein scheint für manche Eltern nicht ausreichend zu sein, um Änderungen im Erziehungsverhalten zu erreichen. Einige Familien brauchen eine zusätzliche und langfristige Begleitung. Der Elternkurs ist keine Therapiegruppe. Manchmal zeichnen sich Problemlagen ab, die eher einer Einzelberatung oder -therapie bedürfen. Der Kurs kann ein erster Schritt auf einem Weg sein, der Eltern ermutigt, sich weitere Hilfe zu suchen. Die Kursleiter kennen entsprechende Angebote in der Stadt und können Eltern weitere Hilfsangebote empfehlen.

11. Qualitätssicherung

Von allen Teilnehmern werden zu Beginn grundsätzliche Informationen zur Familie, zum Zugang und zu den Zielen der Teilnahme erfasst. Nach jeder Kurseinheit findet eine gemeinsame Reflexion der Kursleiter statt. Darüber hinaus erfolgen regelmäßige Treffen aller Kursleiter im Abstand von zwei bis drei Wochen.

12. Evaluation

Der Kurs ist als Modellprojekt durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und das Jugendamt der Stadt Leipzig im Jahr 2008/09 gefördert worden. Eine Evaluation wurde durch die HTWK Leipzig realisiert. Das Angebot hat sich als geeignet erwiesen, um die genannte Zielgruppe zu erreichen.

Stimmen aus dem Kurs nach Beendigung:
„…bin nicht die Einzige mit Erziehungsproblemen oder fehlendem Durchsetzungsvermögen.“
„…dass unter den Paaren die gleichen Fehler ablaufen wie bei mir und meinem Freund.“
„…dass ich konsequenter sein muss, um das Schlimmste zu verhindern.“
„…Rituale zu pflegen und auch Respekt den Kindern gegenüber zu haben.“
„…Kinder nicht schlagen und ihnen in die Augen sehen, wenn man mit ihnen redet.“

Das seit Anfang 2005 bestehende Familienbildungsprojekt des Vereins erreicht als vorbeugendes Angebot speziell minderjährige Mütter und Väter und Familien in besonderen Belastungssituationen. Dieses Projekt bietet kostenlose Elternbildungskurse, Elterngruppengespräche sowie thematische Treffen an und schafft damit vorrangig für sozial schwache und bildungsungewohnte Familien eine grundlegende Voraussetzung für eine Teilnahme an den verschiedenen Bildungsangeboten.

In regelmäßigen Familienbildungskursen, die sich über einen Gesamtzeitraum von drei Monaten erstrecken, erhalten Eltern Anregungen zur Entlastung ihres Erziehungsalltages. Die Kurse greifen typische Problemsituationen auf. Erziehungsthemen, wie Grenzsetzung, Erziehungsstile und verschiedene Entwicklungsstufen (z.B. Übergang in Schule, Abnabelung usw.) sind thematische Inhalte.

Parallel dazu werden Elterntreffen durchgeführt, die den Eltern die Gelegenheit bieten, sich zu relevanten Themen auszutauschen und ihre kleinen und großen Sorgen los zu werden. Inhalt und Anlass des Treffens ist jeweils ein konkretes Thema, zum Beispiel Pubertät, Rechte von Kindern und Eltern, Stress mit Hausaufgaben oder Familienmanagement.

Eine kostenlose Telefonhotline erleichtert allen Interessierten und Hilfesuchenden den Zugang zum Projekt. Hintergrundinformationen zum Familienbildungsprojekt liefern die wöchentlichen Informationssprechstunden. Als Örtlichkeiten aller Angebote werden derzeit zum einen Räume des Vereins, zum anderen öffentliche Einrichtungen (z.B. Bürgertreff) innerhalb des Stadtteils genutzt.

 

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